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1. Therapie der gestörten oder verzögerten Sprachentwicklung

 

Vom ersten Lebenstag an spricht die Mutter mit ihrem Kind und dieses schenkt ihr seine ersten Laute. Die Form der sprachlichen Äußerungen und die Art des Verstehens sind dabei ein genauer Spiegel der verschiedensten Entwicklungsstufen, die ein Kind bei der Entdeckung der Sprache beschreiten muss.

Viele Kinder beschreiten diesen Weg in den ersten Lebensjahren spielerisch. Bei einer immer größeren Zahl von Kindern weicht diese Entwicklung jedoch von der Norm ab. Auch im Alter von 3 oder 4 Jahren sprechen diese Kinder nicht oder nur wenige, oft unverständliche Worte. Sie können Sprache offenbar nicht einfach nebenbei erlernen, sondern benötigen spezielle therapeutische Unterstützung.

Während für die Eltern meist die gesprochene Sprache oder auch die Anzahl der gesprochenen Worte bedeutend ist, wird vielfach nicht bedacht, dass Kinder, deren sprachliche Entwicklung nicht der Norm entspricht, in mehrfacher Hinsicht auffällig sein können (besonderes Spiel-Verhalten, Verhaltensauffälligkeiten, nicht folgen durch nicht verstehen).

 

Bei der Abklärung, ob die kindliche Sprache altersentsprechend oder nicht versuchen wir neben dem Spiel- und Handlungsverhalten festzustellen, in welcher Art die Sprachentwicklung verändert ist. Dabei differenzieren wir:

 

• Eingeschränktes Sprachverständnis

Das Gehör des Kindes ist intakt, aber die Bedeutung von Wörtern und Sätzen wird nicht verstanden. Gerade diese Störung fällt im Alltag oft nicht auf, weil sich die Kinder am Situationszusammenhang und an der Mimik und Gestik des Gesprächspartner orientieren und dadurch wissen, was gemeint ist.

 

 

 

 

2. Fehlerhafte Satzbildung (Dysgrammatismus)

 

Während der ersten 3-4 Lebensjahre ist Dysgrammatismus in einem gewissen Umfang als physiologisch zu bezeichnen. Ab dem 4. Lebensjahr sollte die Wortbeugung und der Satzbau korrekt sein. Folgen eines Dysgrammatismus sind die Störung zwischenmenschlicher Beziehungen und Leistungsminderung in der Schule. Ein rechtzeitiger Therapiebeginn ist daher sehr wichtig.

 

 

 

 

 

 

Ohne Bezug zum Situationszusammenhang würde ein solches Kind auf die Frage "Was kann man mit einem Ball machen?" z.B. nur die letzten Wörter der Frage wiederholen, ohne den Sinn zu verstehen.

• Sprachentwicklungsverzögerung

Die Sprachentwicklung verläuft in allen vier Bereichen (Sprachverstehen, Artikulation, Wortschatz, Grammatik) zeitlich verzögert. Es wird angenommen, dass die sprachliche Verzögerung - mit meist therapeutischer Unterstützung - in absehbarer Zeit aufgeholt werden kann.

• Sprachentwicklungsstörung

Sie liegt vor, wenn die folgenden vier Auffälligkeiten gemeinsam auftreten: Sprachverständnisstörung, Dyslalie, eingeschränkter Wortschatz, Dysgrammatismus. Der Störungsgrad dieser Auffälligkeiten kann jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein (das eine Kind artikuliert besonders schlecht, ein anderes hat vorwiegend Probleme mit dem Satzbau).

Eine frühe Erfassung spracherwerbsgestörter Kinder ist unbedingt notwendig. Die häufig geäußerte Vermutung, das Kind sei eben mit dem Sprechen spät dran und das werde schon noch kommen, ist oft gefährlich. Praktisch alle Kinder, die die Sprache nicht in altersentsprechender Weise produzieren und gebrauchen können, zeigen Auffälligkeiten im emotionalen, sozialen und dem allgemeinen Spielverhalten. Auch später, im Schulalter, fallen diese Kinder durch Störungen der gesprochenen und geschriebenen Sprache auf.

Therapie

 

Je nach Altersstufe werden Handlungsabläufe spielerisch erarbeitet und ein am Alltag orientiertes Sprachsystem in Wortschatz und Struktur aufgebaut. Je nach Schweregrad sollte die Therapie 1-2 Mal wöchentlich stattfinden. Die Therapiedauer richtet sich nach dem vorliegenden Störungsbild und dem Entwicklungsstand des Kindes in der Regel sind es 45 Minuten.

Zu beobachten sind z.B.:

• Auslassung von Wörtern und Satzteilen (Telegrammstil: "Mama Ball" oder "Papa Hause")

• mangelnde Übereinstimmung zwischen Artikel und Hauptwort ("das Junge", "die Baum")

• mangelnde Übereinstimmung zwischen Subjekt und Zeitwort ("ich gehen", "Mama willen einkauf")

• falsche Stellung der Wörter im Satz ("heute nach Hause gehe ich")

• falsch verwendete oder fehlende Präpositionen, Fallfehler etc. ("der Vogel sitzt in die Baum")

• eingeschränkter Wortschatz