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Auch die Nahrung verändert sich nun. Die Kinder machen die Erfahrung mit Beißen und Kauen, es entsteht ein Bewusstsein für die seitlichen, oberen und unteren Begrenzungen des Mundraumes. Das Bewusstsein der Kinder für den Mundmittelpunkt erhöht sich und allmählich entwickeln sie ein Gespür für die Zungenruhelage.

Die Säuglinge sind im ersten Lebensjahr immer mit ihrem Mund beschäftigt. Zum einen bei der Nahrungsaufnahme, beim Stillen und auch später beim Essen und dem Ertasten von anderen Nahrungskonsistenzen wie Brei und Keksen. Sie erspüren alles mit dem Mund, stecken ihre Füße und Hände in den Mund. Nichts ist vor dem Mund mehr sicher. Sie erfahren die Welt über den Mund und bauen so ihre Wahrnehmung und Muskulatur auf.

Schlappe Mundmuskulatur, abweichende Zungenruhelage und Schluckweise

In Ruhelage liegt die Zunge am oberen Gaumengewölbe. Die Zungenspitze liegt kurz vor den Schneidezähnen (nicht dagegen) und die Zungenränder schmiegen sich an den Gaumen an. Die Zunge ist dadurch eingegrenzt und hat so Halt.

Wird nun geschluckt, stützt sich die Zunge am Gaumen ab und die Nahrung wird durch eine wellenförmige Bewegung der Zunge und mit Hilfe eines Unterdrucks in den Verdauungstrakt befördert.

 

Bei einem addentalen Schluckvorgang oder auch Zungenstoß genannt, drückt die Zunge gegen die Zähne und den Zahnbogen. Muskelgruppen, die eigentlich andere Aufgaben erfüllen, müssen dadurch unnötig mit helfen, den Schluckvorgang einzuleiten. Man weiß, dass im Laufe des Tages und der Nacht bis zu 2000 mal geschluckt wird. Bei einer addentalen Schluckweise oder einem Zungenstoß sind das 2000 Stöße gegen die Zähne. Somit kann es leichter zu Verformungen des Zahnbogens (offener Biss) und zu Zahnstellungs- und Kieferanomalien kommen.

 

Sprachentwicklungsverzögerung

Aufgrund der zuvor beschriebenen Schall-Leitungsschwerhörigkeiten können nachgewiesenermaßen Sprachentwicklungsverzögerungen entstehen. Kinder hören während einer Erkältung mit Mittelohrentzündung die Sprache nur sehr gedämpft. Die normale Sprechlautstärke wird häufig nur wie Flüstersprache empfunden. Unbetonte Endsilben werden nur schwer verstanden, da die lauteren Silben die übrigen übertönen. Auch leise und tiefklingende Töne werde nur mangelhaft wahrgenommen. Die Kinder können somit nicht die ganze Struktur der gesprochenen Sprache erfassen. Somit kann es zu Verzögerungen im Spracherwerb, besonders in der grammatikalischen Struktur, kommen.

 

Vorbeugend können Sie folgendes tun:

 

• Babys sollten mindestens 6 Monate gestillt werden oder mit einer Flasche gefüttert werden, deren Sauger eine breite Lippenauflage hat und möglichst der natürlichen Brust der Mutter nachempfunden ist( z.B. Aventflasche, PLAYTEX-Sauger).

 

• Nicht das Saugloch vergrößern (um etwa Zeit zu sparen). Das Baby soll ja gerade die Zungen-, Lippen-, Wangen- und Kiefermuskulatur trainieren.

 

• Das frühzeitige Kauen ist für die Zahn- und Kieferentwicklung sehr wichtig. Daher sollte man den Kindern so bald wie möglich auch feste Nahrung anbieten.

 

• Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Nuckeln am Schnuller oder anderen Objekten sollten möglichst frühzeitig abgebaut werden (am besten gar nicht erst dazu kommen lassen), um so einer Verformung des Kiefers oder einem offenen Biss vorzubeugen. Spätestens mit 2 ½ Jahren sollte sich das Kind vom Schnuller getrennt haben. Schläft das Kind noch mit Schnuller ein, ziehen Sie ihn nach dem Einschlafen vorsichtig heraus und schließen Sie den Mund Ihres Kindes. Wenn schon Schnuller, dann bitte nie zu groß und eine Form, welche sich möglichst wenig auf die Kieferentwicklung auswirkt ! Empfehlung: "Denti-Star"-Schnuller der Firma Babynova.

Myofunktionelle Störungen / Orofazialstörungen

 

• Störungen im Bewegungsablauf von Lippen und Zunge

• Kau- und Schluckstörungen

 

Zunächst ein paar interessante Grundlagen:

Die mundmotorische Entwicklung

Die Zunge eines Neugeborenen füllt den gesamten Mundraum aus und berührt gleichzeitig den Gaumen und den Mundboden. Der Mundraum ist klein und das Bewegungsausmaß der Zunge begrenzt. Durch diese Relationen erhöht sich die Saugkraft des Säuglings. Eine Mundatmung kann nicht erfolgen, stattdessen erfolgt die Atmung über die Nase. Das Neugeborene schluckt und atmet gleichzeitig, der Kehlkopf ist noch sehr hoch eingestellt, der Verschlussmechanismus beim Schlucken zum Schutz der Luftröhre vor Aspirationen ist noch nicht ausreichend entwickelt.

Erst mit ca. einem halben Jahr vergrößert sich der Mundinnenraum und verlängert sich in vertikaler Richtung. Die Zunge erhält nun mehr Bewegungsmöglichkeiten, aus der Vor-Zurück-Saugbewegung entwickelt sich nun eine Auf-Ab-Bewegung. Der Mundraum gestaltet sich durch den Zahnwachstum ganz neu, die Zunge erhält eine Abgrenzung zu den Lippen. Räumliche Dimensionen entstehen im Mund.

 

 

 

 

 

Der Mund wird nicht nur zur Nahrungsaufnahme erobert, sondern bekommt auch gleich eine sehr kommunikative Funktion. Die Neugeborenen nehmen durch das Schreien, das Stillen und später auch durch das Lallen Kontakt über den Mund zu ihrer Umgebung auf und stellen so den ersten Dialog auch ohne Worte her.

Im Laufe der weiteren Entwicklung können sich bei dem jungen Kind Auffälligkeiten im mundmotorischen Bereich einstellen:

 

Mundatmung

Im Normalfall erfolgt die Atmung durch die Nase. Aufgrund von Mandeln und Polypen im Nasen-Rachenraum, immer wieder auftretenden Erkältungen, Mittelohrentzündungen und / oder einer schiefen Nasenscheidewand kann es zu einer Verlagerung von der Nasenatmung zur ständigen Mundatmung kommen. Durch die Mundatmung fehlt der vollständige Mundschluss, der Mund bildet keinen abgeschlossenen Raum mehr, es kann zu vermehrtem Speichelfluss kommen. Aufgrund des fehlenden Mundschlusses bilden die Lippen und Wangen nicht ihre optimale Muskelkraft aus. Die Zunge liegt bei Kindern mit Mundatmung nicht in der Ruhelagestellung und somit kann die Zunge nicht ihre optimale Zungenkraft entwickeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sekundäre Folgen aufgrund einer myofunktionellen Auffälligkeit

 

Artikulationsschwierigkeiten

Aufgrund der Mundatmung und/oder der falschen Zungenruhlage und/oder der schlappen Mundmotorik ist die Zunge in ihren qualitativen Bewegungen eingeschränkt. Häufig kommt es dann zu Fehlbildungen der /s/ und /sch/- Laute, da diese Laute bei ihrer Bildung stark von der korrekten Zungenruhlage und der guten Mundmuskulatur abhängig sind. Es kann aber darüber hinaus auch zu Reduzierungen und Fehlbildungen von Mehrfachkonsonanten kommen („Knopf“ wird „Kopf“ oder „drei“ wird „grei“).

Einige Kinder haben ihren Mundraum noch nicht voll „erschlossen“. Ihnen ist der Rachenraum noch unbekannt beim Sprechen. Sie können dann beispielsweise die hinteren Rachenlaute wie /r/, /k/ oder /g/ noch nicht bilden.

 

Schwierigkeiten in der auditiven Wahrnehmung

Durch die Mundatmung kann die Nase ihre Stellung am Anfang der Atemwege als Schutzfunktion nicht erfüllen. Die Nase filtert die Luft und feuchtet sie an, somit bleiben die Luftwege vor Infektionskrankheiten und übermäßigen Reiz- und Giftstoffen bewahrt. Durch die Mundatmung kann es zu häufigeren Atemwegsinfektionen kommen. Aus den Erkältungen entwickeln sich schnell Mittelohrentzündungen oder Flüssigkeit setzt sich hinter dem Trommelfell ab.

Aufgrund dieser Flüssigkeitsansammlung können die Gehörknochen nicht mehr frei schwingen und behindern dadurch die Schallübertragung, die Hörfähigkeit. Die Hörleistung der Kinder vermindert sich bei einer Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell von 10 bis maximal 60 dB. Wenn diese Schall-Leitungsschwerhörigkeiten zu einem Zeitpunkt auftreten, wo das Gehör noch nicht vollständig ausgereift ist, kann die Hörbahnreifung behindert werden. Bis zum zwölften Lebensmonat entwickeln sich die Nervenbahnen und immer mehr Aussprossungen und Verästelungen entstehen zu einem leitungsfähigen Netzwerk. Dieses Netzwerk differenziert sich bis zum vierten Lebensjahr immer genauer.

Kommt es hier zu Auffälligkeiten, haben die Kinder unter anderem Schwierigkeiten bei+ der auditiven Wahrnehmung, d.h. sie können zB. ähnlich klingende Wörter nur schwer voneinander unterscheiden. Auch die Konzentration kann negativ beeinflusst werden. Die Kinder werden schnell durch aufkommende Geräuschquellen aus ihrer Konzentration gerissen und abgelenkt, oftmals können sie aus mehreren Geräuschen nur schwer ein bestimmtes Geräusch herausfiltern.

• Achten Sie als Eltern auf eine freie Nasenatmung. Bringen Sie dem Kind das richtige Ausschnauben bei: Die Nase in die Mitte des Taschentuches bringen, ein Nasenloch zuhalten und mit geschlossenem Mund schnauben. evtl abschwellende Nasentropfen geben.

 

• Beachten Sie bei Ihrem Kind eine beeinträchtigte Nasenatmung auch nach Abklingen eines Infektes (deutlich zB. bei Schnarchen in der Nacht, auffällig häufig offenstehender Mund am Tage) Halten Sie ggf. Rücksprache mit einem HNO-Arzt/ Allergologen.