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Mutismus

 

Das Wort Mutismus wurde vom lateinischen "mutus" abgeleitet, was so viel wie "stumm" bedeutet. Genau genommen ist der Begriff "Mutismus" somit eigentlich falsch, denn Menschen, die unter Mutismus leiden, sind ja nicht stumm im Sinne von "nicht fähig zu sprechen". Wenn man einmal vom akinetischen Mutismus (auch posttraumatischen Mutismus) absieht, können eigentlich alle Menschen, die mutistisch sind, per mündlicher Sprache, d.h. Sprechen, kommunizieren. Sie tun es aber aufgrund einer starken Angst nicht.

 

 

 

 

 

 

Folgende Merkmale können auf Menschen mit selektivem Mutismus zutreffen

 

• Das Kind spricht in bestimmten Situationen nicht. Zu Hause und mit vertrauten Personen spricht es.

• Zu Hause ist es sehr expressiv und redet teilweise extrem viel (Nachholbedarf).

• Das Kind hat Schwierigkeiten Interaktionen zu initiieren (z.B. Begrüßung/ Abschied/ Dank/ Fragen).

• In der Schule wird das Nicht-Sprechen oft mit guten schriftlichen Leistungen kompensiert.

• Das Kind scheint die es umgebende Welt im Vergleich zu den Altersgenossen sorgfältiger zu beobachten und wahrzunehmen (auch im Hinblick auf Stimmungen und Emotionen), es hat aber oft Schwierigkeiten die eigenen Gefühle auszudrücken.

· Angst, sich körperlich zu erproben (Fahrradfahren, Schwimmen, Klettern).

· Angst, im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen. Sorge darum, wie man selbst auf andere wirkt.

· Angst vor körperlicher Nähe zu Fremden

· Angst alleine zu schlafen, gelegentliches Bettnässen

In Momenten des Schweigens können sich zeigen

 

• „blanker“ Gesichtsausdruck,

• starre Lippen (kein Lächeln),

• starrer Blick,

• fehlender Blickkontakt,

• „eingefrorene“/ „versteinerte“ Körperhaltung/ Mimik/ Gestik,

• steifer Körper, angeklemmte Arme, verkrampfte Hände,

• verzögerte Reaktionen.

 

Das Verhalten von Kindern, die unter bestimmten Bedingungen Schweigen, wird von ihrer Umwelt oft als bockig, störrisch oder einfach extrem schüchtern fehlgedeutet.

Eltern werden durch Erzieherinnen und Lehrerinnen in der Regel über das beharrliche Schweigen informiert. Auf Grund der Hoffnung, das Kind würde aus dem Schweigen "herauswachsen", findet oft genug jedoch keine angemessene Intervention statt.

Was ist selektiver oder elektiver Mutismus?

 

(S)elektiver Mutismus beschreibt die Unfähigkeit, in spezifischen sozialen Situationen (z.B. Kindergarten/ Schule) oder mit bestimmten Personen (z.B. Personen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören) zu sprechen. (selektiv =aussuchend, auswählend), (elektiv=selbst gewählt) Es gibt nicht eine bestimmte Ursache für das Schweigen unter bestimmten Bedingungen, meist liegt dem ein ganzes Bedingungsgefüge zugrunde.

Manchmal wird voreilig und fälschlicher Weise ein Autismus vermutet. Eine richtige Diagnose und damit verbundene therapeutische Schritte sind für ein solches Kind jedoch von großer Bedeutung.

Die Erfahrung zeigt, dass sich bei Nicht-Eingreifen das Störungsbild stärker manifestieren kann, sich über Jahre hält und sich letzten Endes die gestörten Kommunikationsmuster bis ins Erwachsenenalter hineinziehen.

Was ist zu beachten? Was können Sie tun?

 

• Das Schweigen nicht persönlich nehmen!

• Das Nicht-Sprechen als aktives Handeln erkennen, das – irgendwann einmal- einen brauchbaren Zweck für das Kind / den Jugendlichen erfüllt hat.

• Das Schweigen kann von den Betroffenen nicht bewusst unterlassen werden, da es über Jahre hinweg entwickelt und aufrechterhalten wurde.

• Nicht zum Sprechen auffordern oder gar drängen. Die Erfahrung des „Versagens“, des Nicht-Antworten-Könnens machen die Kinder ohnehin schon viel zu häufig. Jede Aufforderung zum Sprechen erhöht den Druck auf das Kind und die Angst vor dem nächsten Sprechanlass.

• Heben Sie die erste Äußerung des Kindes wenn überhaupt außerordentlich sensibel hervor.

• Stellen Sie das Kind nicht in den Mittelpunkt.

• Grenzen Sie das Kind nicht aus.

• Die letztendliche Entscheidung, ob und wann das Nicht-Sprechen aufgegeben wird, trifft der Betroffene selbst! Unsere Aufgabe besteht darin, zu begleiten, die Kompetenzen zu fördern, uns in Geduld zu üben und verstehen zu lernen.

Hilfreiche Fragen

 

• Wie, wann und mit wem kommuniziert Ihr Kind?

• Wie reagiere ich, wie andere auf das Nicht-Sprechen?

• Was bewirkt Ihr Kind mit seinem Schweigen?

• Hält Ihr Kind Blickkontakt? (Wenn ja wann und mit wem?)

• Welche anderen nicht-sprachlichen Mittel (Gestik/ Mimik) setzt Ihr Kind ein?

• Reagiert Ihr Kind angemessen auf Anweisungen?

• Wie kann es seine Ziele erreichen?

• Gibt es Ausnahmen? (Hat Ihr Kind schon einmal „aus Versehen“ gesprochen? Wann, wo, mit wem?)

• Was kann Ihr Kind besonders gut?